Baustellen

Auszug aus dem Gemeindebrief vom Juni 2018

 „Das Leben ist eine Baustelle“

„Das Leben ist eine Baustelle“ – kaum ist ein Problem bewältigt, taucht das nächste auf und fordert uns. So ist es in der Familie, im Beruf und im öffentlichen Leben – und eben auch in der Kirche in Rüsselsheim.

Die kirchliche und religiöse Landschaft verändert sich stark: Vor 100 Jahren war Rüsselsheim eine evangelische Stadt. Seit den 1980er Jahren ist die Zahl der Evangelischen beständig gesunken. In der Böllenseesiedlung gab es zu den besten Zeiten 3 500 Gemeindeglieder – heute liegen wir knapp unter 650. In ganz Rüsselsheim sind nur noch 23 % unserer Mitbürger evangelisch und 18 % katholisch – die Christen sind auf dem Weg zu einer Minderheit.

Die Gründe für diesen Wandel sind vielfältig: die Evangelischen bekommen weniger Kinder, viele ziehen aus den großstädtischen Ballungsgebieten aufs Land. Hinzu kommen nach wie vor Kirchen-Austritte. Das ist nicht nur bei uns in Rüsselsheim so, das gilt flächendeckend in allen Kirchen – und auch die Vereine klagen über Mitgliederschwund.

Was tun? Wie machen wir unsere Gemeinden fit für die Zukunft??

Die Rüsselsheimer Gemeinden sind schon lange in einem Kirchengemeindeverband zusammengeschlossen. Vor mehr als 10 Jahren haben sie begonnen einen gemeinsamen Gebäudeentwicklungsplan zu entwickeln. Darin wurde festgelegt, dass die sechs vorhandenen Kirchengemeinden zusammengelegt und die Zahl der genutzten Gebäude in Rüsselsheim bis 2020 halbiert werden sollen.

Die Kirchenverwaltung der EKHN unterstützt diesen Plan und wacht über seine Umsetzung. Entsprechend der sinkenden Zahl der Mitglieder wird die Verwaltung den Gemeinden die finanziellen Zuweisungen kürzen. Auf Deutsch: Wenn wir jetzt nichts tun, werden unsere Gebäude in 10 Jahren verfallen, weil wir dann kein Geld mehr haben, um sie zu unterhalten. Der mit dem Gebäudeentwicklungsplan beschrittene Weg ist nicht mehr zurückzudrehen!

Auch die Martinsgemeinde befindet sich mitten in der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen – und damit mitten auf der „Baustelle“. Unter den Pfarrern Dr. Annette Mehlhorn und Volkhardt Guth wurde die Fusion der Stadtkirche mit der Matthäusgemeinde geplant und beschlossen. Seit 1.1.2013 sind wir jetzt eine Gemeinde mit zwei Kirchen und zwei Standorten. In den letzten Jahren haben sich bei uns nach einander 3 Baustellen entwickelt:

1. Baustelle – Sanierung des Turms der Stadtkirche Rüsselsheim

Schon vor dem Hessentag war die Sanierung der Stadtkirche im Gespräch. Als ältestes denkmalgeschütztes Gebäude am Marktplatz gilt sie als eines der Wahrzeichen der Stadt Rüsselsheim.

Die Bauabteilung der Kirchenverwaltung hat jetzt festgestellt, dass eine Sanierung des Turms unaufschiebbar ist – Das Dach der Turmspitze ist undicht und der Putz droht auf die Straße zu fallen. Eine sofortige Sanierung wurde Ende 2017 beschlossen und der erfahrene Architekt Hermann Alt, der auch das Bauschheimer Kirchendach saniert, mit der Planung beauftragt. Am 19. Juni 2018 um 19 Uhr wird er seine Pläne in der Stadtkirche der Öffentlichkeit vorstellen. Herzliche Einladung dazu!

Die Kosten für eine denkmalgerechte Sanierung im historischen spätbarocken Stil sind mit 875.000 € angesetzt worden. 50.000 € gibt die Denkmalspflege. Die Kirchengemeinde muss 20 % der verbleibenden Kosten selber aufbringen.

Wir freuen uns, dass die Sanierung der Stadtkirche angegangen wird (leider nur der Turm)! Zugleich müssen wir uns eingestehen, dieses nun erst vor kurzem hinzugekommene Projekt für die Martinsgemeinde eigentlich eine Baustelle zu viel ist …. Der Eigenanteil von ca. 175 000 Euro sprengt unsere finanziellen Möglichkeiten! Wir sind dringend auf Ihre Spenden angewiesen.

Bitte unterstützen Sie die Sanierung des spätbarocken Turmes der Stadtkirche und spenden Sie auf das Kollekten – Konto der Martinsgemeinde unter dem Stichwort „Turmsanierung“.

Darüber hinaus beschäftigt uns als Kirchenvorstand die Frage, wie wir die Stadtkirche besser nutzen könnten. Als zentrales Gebäude in der Stadt Rüsselsheim erscheint es uns sinnvoll, die Stadtkirche nicht allein für Gottesdienste sondern auch für kulturelle und soziale Veranstaltung zu öffnen. Als Vorbild kann hier die Nutzung der Kirche während des Hessentages dienen.

Neben verschiedenen Musikveranstaltungen gab es Diskussionen, Theater und Kabarett. Lesungen und Videoprojektionen.

Gemeinsam mit dem Dekanat, dem Kirchengemeindeverband, der Landeskirche und der interessierten Stadtöffentlichkeit wollen wir bald ein praktikables Konzept erarbeiten.

Spendenaufruf für die Sanierung des Kirchturms der Stadtkirche –Der Turm der Stadtkirche wird denkmalgerecht saniert und in spätbarockem Glanz wieder hergestellt.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf 875.000 €. Die Martinsgemeinde muss als Nutzer 20 % aufbringen. Helfen sie uns! Spenden Sie für die Sanierung des Turmes der Stadtkirche!

Kollekten Konto der Martinsgemeinde unter dem Stichwort „Turmsanierung“.

BIC: GENODE51RUS ( Volksbank Rüsselsheim ) IBAN: DE40 5009 3000 0009 4539 03

 

2.Baustelle – Haus der Kirche „Katharina von Bora“

Das ehemalige Gemeindehaus der Stadtkirche wurde unter der Federführung von Pfrin. Annette Mehlhorn in den Jahren 2011-13 saniert und zum Haus der Kirche „Katharina von Bora“ umgebaut.
Heute ist dort der vorläufige Sitz des neuen „Ev. Dekanates Groß-Gerau-Rüsselsheim“ mit allen Mitarbeitern, die auch das benachbarte Pfarrhaus der Stadtkirche bewohnen. Das Bistro im Haus der Kirche –siehe unter Kirchenlädchen ) wird weiter von der Gemeinde genutzt. Dienstags gibt es von 10-14 Uhr das gut besuchte Begegnungscafé vom Projekt „Katharina macht…“ (in Kooperation mit der Diakonie GG-Rüsselsheim). Gleichzeitig hat das Kirchenlädchen geöffnet. Damit ist die erste Baustelle der Martinsgemeinde abgeschlossen!

 

3.Baustelle – Bau eines Nachbarschafts- und Familienzentrums an der Matthäuskirche am Böllensee

Im Gemeindehaus am Böllenseeplatz —hinter bzw, neben der Kirche—-befand sich von 1954 bis 1976 der erste evangelische Kindergarten. Seit 76 sind dort die Gemeinderäume und das Haus wurde immer wieder liebevoll von der Gemeinde in Eigenarbeit saniert und in Stand gehalten. Auch ich würde es am liebsten behalten – einschließlich des schönen Gartens mit seinen großen Bäumen. Aber auch dieses Gebäude wird in Zukunft von der Landeskirche nicht mehr finanziert! Darum hat Pfr. Volkhardt Guth gemeinsam mit den Wohnungsbaugesellschaften vor Ort und der Stadt Rüsselsheim im Jahre 2013 den Plan eines Nachbarschafts- und Familienzentrums entwickelt. Es soll an die Stelle des alten Gemeindehauses treten. Der Plan ist von der Gemeinde, der Stadt und der Gewobau beschlossen worden und von der Landeskirche und dem Kirchengemeindeverband Rüsselsheim genehmigt. Das Dekanat Groß-Gerau- Rüsselheim begrüßt dieses Projekt ausdrücklich.

Wie funktioniert es? Wir stellen das Grundstück und die Gewobau finanziert und bewerkstelligt den Neubau. Es entstehen: die neue Kita der Martinsgemeinde mit 100 Plätzen, Räume für die Jugendarbeit des Vereins „Auszeit e.V.“, Räume für das „Nachbarschafts- und Familienzentrum Böllensee“, das schon jetzt von der Gemeinde in den Gemeinderäumen betrieben wird. Hinzu kommen 9 kleine seniorengerechte Wohnungen.

Zurzeit wird das neue Gebäude im Detail geplant. Bis Ende Januar 2019 werden wir unser Gemeindehaus verlassen. Wir planen gerade, wie wir uns auf gute Weise (u.a. mit Fest und Erzählabenden) verabschieden können. Ab Februar 2019 ist Abriss und Baubeginn. Bezugsfertig wird das neue Gebäude voraussichtlich Ende 2020 / Anfang 2021 sein.

Damit kehrt die Martinsgemeinde am Böllensee zu ihren Ursprüngen in den 50er Jahren zurück: Arbeit mit Familien und Kinder in direkter Nachbarschaft zur Kirche. Die Kosten trägt die Gewobau mit Unterstützung des Landes Hessen und die Kirchengemeinde stellt ihr Grundstück zur Verfügung und übernimmt die Trägerschaft für Kita und Nachbarschafts-  und Familienzentrum. Im Herbst, wenn die Planungen abschlossen sind, werden detaillierte Pläne in der Öffentlichkeit vorgestellt.