Was auch immer auf ihrem Speiseplan stehen mag (Fisch, Gans, Ente oder Rind) – das wichtigste Tier an Weihnachten nicht der Elch (der gehört zum Weihnachtsmann) sondern der Esel – jedenfalls in der biblischen Tradition:

In der christlichen Kunst steht der Esel an der Weihnachtskrippe und wärmt das neugeborene Kind mit seinem Atem – gemeinsam mit einem Ochsen. Er begleitet den Weg der Familie nach Bethlehem und ist mit auf der Flucht nach Ägypten. Josef hält die Zügel in der Hand und Maria sitzt auf dem Esel – mal mit dem Kind noch im Bauch oder im Arm auf dem Weg nach Ägypten.

Der Esel ist aber auch das Wappentier des erwachsenen Jesus:

Auf ihm zieht Jesus im Alter von über 30 Jahren in Jerusalem ein – umjubelt vom einfachen Volk, das Kleider und Palmblätter auf der Straße vor ihm ausbreitet. Zuvor hat er in Galiläa gepredigt, geheilt, gefeiert und den Menschen die Sünden vergeben. Die Armen sehen in ihm einen Propheten oder gar den von Gott gesandten König (Messias).

Und den Esel hat er sich ganz bewusst ausgesucht, mit ihm knüpft er an ein Prophetenwort an:

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ Sacharja 9,9b

Der Esel transportiert dabei eine klare Botschaft: Dieser König verzichtet auf die klassischen Symbole der Macht. Er zieht ohne Kriegswagen, rasende Rosse oder militärische Paraden ein. Er benutzt ein störrisches Reittier, das für militärische Kämpfe ungeeignet ist. Bei Gefahr bleibt es einfach stehen, statt zu scheuen oder anzugreifen. In Geröll und unwegsamem Gelände kommt der Esel gut zurecht. Auf Sardinien gilt es noch heute als das Auto der Armen, zuverlässig und belastbar. Im Prophetenwort wird dies noch einmal gesteigert – das Reittier ist kein ausgewachsener Esel – es ist ein Eselsfohlen auf dem der König einreitet und das kann keine großen Lasten tragen – schon ein Erwachsener würde ihm die Knochen brechen! Dieser König muss ein Kind sein – oder sich ganz leichtmachen!

Ich finde das passt in unsere Zeit. 

Die Corona-Pandemie hat unser Leben verändert – viele tragen schwer daran und haben zu kämpfen: Finanziell, seelisch und sozial…

Ein Stück weit müssen wir uns alle zurücknehmen und leichter machen. Das Weihnachtsfest wird kleiner und bescheidener ausfallen. Es kann aber auch unseren Blick für das Wesentliche schärfen – was brauchen wir wirklich, um glücklich zu sein? Was macht den Kern von Weihnachten aus? Und welche Beziehungen und Begegnungen sind wichtig für uns? Aber auch, was können wir in unserem Leben anders machen?

Wir Menschen haben das Antlitz der Erde grundlegend verändert – mir kommt es vor, als ob wir dem blauen Planeten zu viele Lasten aufgelegt haben. Das Kind in der Krippe mit dem Esel kann uns anregen behutsamer und vorsichtiger zu leben und der Erde und der Natur mit vereinten Kräften weniger Lasten aufzulegen.

Ich wünsche Ihnen mit ihren Lieben gesegnete Weihnachten und ein behütetes neues Jahr 2021

Ihr Pfarrer Andreas Jung

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